Scherben


Ensemble

Andres Edith

Während der Vorbereitungs- und Probezeit zu diesem Theaterstück habe ich gelernt, mit dieser Thematik und den Betroffenen besser umzugehen.  Ich habe mit Betroffenen über ihr Kind geredet.  Es ist wichtig über Tote zu reden, denn dann werden sie nicht vergessen und können in uns ewig weiterleben.

Bühnenakteur

Dannemark Mélanie

Proben - eine Improvisation :
Was mache ich mit einer Mülltüte, Alufolie und einem Band?
Ich hatte die tollsten Ideen, doch dann hatte ich einen Traum :
Ich sah viele silbrig-weiße Gesichter vor tiefschwarzem Hintergrund auf mich zuschweben.
Als sie mir bedrohlich nahe kommen, wache ich schweißgebadet auf.
Was das wohl zu bedeuten hat?

Diese Geschichte brachte ich mit in die Theatergruppe, und siehe, was daraus geworden ist!

Bühnenakteur

Haep Beatrice

Betroffen machen für das Schicksal der Betroffenen, denn betreffen kann diese Thematik wohl jeden.  Sich auseinandersetzen mit dem Tabuthema Tod und der damit verbundenen Trauerarbeit, das hat mich dazu bewegt, an diesem Theaterstück mitzuwirken.  "Der Tod geht nicht am Leben vorbei, sondern mitten hindurch."
Keine tröstenden Worte finden, weil es keine gibt.  Deine Tränen auch zu meinen machen - das ist Anteilnahme.  Diese Erkenntnis habe ich für mich aus dieser Theaterarbeit genommen.

Bühnenakteur

Johanns Daniela

Vor einigen Wochen rief Mélanie mich an und fragte, ob ich keine Lust hätte, eine Rolle bei einem Theaterstück zu spielen, da kurzfristig jemand abgesprungen sei.  Sie sagte mir auch, daß die Premiere schon in 6 Wochen ist.  Ich habe ja gesagt.  Natürlich hatte ich keine Ahnung, wie die Proben ablaufen.  Ich fühlte mich unsicher, weil die anderen ja schon lange vor mir begonnen hatten.
In den ersten Proben habe ich mich schnell eingelebt, und die anderen waren auch sehr nett und hilfsbereit.  Jetzt bin ich froh darüber, daß ich bei diesem Theaterstück mitspielen darf.  Ich denke nämlich, daß dieses Theaterstück den Menschen helfen kann, über den Tod zu reden, ihn zu verstehen und zu lernen, mit so einer Situation fertig zu werden.  Und das halte ich für sehr wichtig in unserem Leben.

Bühnenakteur

Josten Tanja

"Der Tod" ist ein heikles Thema, das gerne verdrängt wird und von dem man nicht gerne spricht.  Doch irgendwann wird jeder damit konfrontiert.
Durch dieses Theaterstück habe ich mich mehr mit diesem Thema auseinandergesetzt.  Manchmal war es gar nicht einfach, und ich hätte am liebsten alles hingeschmissen, doch ich habe durchgehalten bis zum Schluß.  Darüber bin ich sehr froh.
Ich habe durch diese Theaterarbeit und diese Theatergruppe viele positive Erfahrungen machen können.

Bühnenakteur bis zur 9. Aufführung und 16. Aufführung

Küpper Marcel

Tontechniker

Peters Sylvia

Ich bin aus Neugierde und durch meine Freundin Alexandra zum Stück gekommen.
Die Zeit von Januar bis jetzt hat sehr viel verändert.  Anfangs war ich von der Thematik nicht so sehr betroffen.  Beim Spielen der Szene "die zugeschnürte Schwester" habe ich die Betroffenheit gespürt, ich wurde von den anderen in ein Band eingewickelt und mit irgendwelchen guten Ratschlägen bombardiert.  Diese Situation hat mich wütend gemacht, ich wurde hilflos gemacht - auch wenn ich glaubte, stark zu sein.   Ich hoffe, daß die Zuschauer mitbekommen, daß das, was auf der Bühne geschieht, nicht "nur" gespielt ist.  Die Gefühle und die Betroffenheit sind echt.
Meine persönliche Botschaft ist: jeder sollte lernen, seine Gefühle zu äußern, sich mitteilen. Das Leben sollte durch alle Höhen und Tiefen gelebt werden.

Bühnenakteur bis zur 9. Aufführung

Roth Roger

Aus dem Leben zur Bühne

Manchmal erscheint es eigenartig, wie einen die Realität einholt und man glaubt, die Gegenwart bleibt eine Zeitlang stehen.  Dabei war es ein Tag wie jeder andere - fest eingebunden im Alltagstrott - bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir etwas völlig Neues begegnete.  Eine Begebenheit, die fortan mein Leben ständig begleitete.  Der Tod hatte wieder mal auf der Straße gelauert und mir diesmal eine liebe Bekannte geraubt.  Doch nicht nur mir.  Bei vielen hinterließ der Verlust dieses Menschen eine große Leere.  Der Schmerz riß Wunden auf, deren Narben für immer sichtbar bleiben würden und an denen keiner ungerührt vorüber gehen kann.  Dennoch wurde mir sehr schnell klar, daß jeder in seinem Leid alleine bleibt und seine Trauer auf seine Art verarbeiten muß.  In dieser Zeit entstand in mir der Gedanke, diese Begegnung in Form eines Gedichtes mit dem Titel "Das Band des Todes" zu verarbeiten.

Der Weg zum Bühnenstück

Es bedarf oft sehr viel Zeit, bis eine Idee verwirklicht werden kann, und meist ist zu Beginn nicht abzuwägen, war daraus erwachsen kann.  So dauerte es Jahre, bis die Zeit reif war und die Idee konkretisiert werden konnte.  Alle bisherigen Ansätze wurden wieder vernichtet, nur der Titel des Gedichtes hatte weiterhin Bestand.  Oft gähnte mich ein leeres weißes Blatt an, meine Gedanken verfingen sich in Erinnerungen und mein Blick blieb an "deinem (fiktiven) Bild an der Wand" haften.  Dabei trieb mich permanente Identifikation mit den Direktbetroffenen und mir selber stets in neue Dimensionen hinein.  Und so reihten sich nach und nach die Wörter auf dem Papier zusammen.  Doch neben dem Gedicht entstand in mir auch der Drang, neue Wege zu beschreiten und meine Gedanken und Erlebnisse in Form eines Theaterstückes zu verarbeiten.  So lag am Ende dieser Periode ein Konzept für die Bühne vor.  Nach einigen Präsentationen des Konzeptes bildete sich eine Gruppe, die gewillt war, sich dieser Thematik zu stellen.  Während einem Jahr trafen wir uns regelmäßig in der Gruppe und betrieben intensive Recherchen.  Dabei entstand die fundamentale Basis für den Inhalt des Stückes.  Doch eine Frage blieb offen : Wie wandelt man diese Basis in Szenen um?  Eine große Hilfe fanden wir dabei in Kurt Pothen von der Agora St. Vith.  Unter seiner Leitung begann im Januar die eigentliche Theaterarbeit in Form eines Workshops, durch den einige neue Interessenten zu unserer Gruppe stießen.

Die Proben

Nach dem Workshop-Wochenende existierte die bisherige Gruppe nicht mehr in der ursprünglichen Zusammensetzung, sondern es bildete sich im erweiterten und veränderten Kreise die Gruppe der Bühnenakteure.  Neben den neuen Erfahrungen und dem gefundenen Arbeitsmaterial hatte sich nun auch die zukünftige Arbeitsweise herauskristallisiert, die wir verwenden würden, um das Stück mit Leben zu füllen und die Akteure auf ihre Bühnentätigkeit vorzubereiten.  Während der folgenden Proben haben wir sehr viel mit Improvisationen gearbeitet, bei denen es nicht um Mitmachen, sondern ums Machen ging.  Aus dem daraus gewonnenen Material bildeten sich nach und nach Szenen, Bilder und Ausdrucksformen.  Bei den ständigen Gesprächen über das Improvisierte und Erlebte konkretisierten sich Handlungsabläufe, Texte, Musik und vieles mehr - alles auf der einst erarbeiteten Basis und immer das Ziel vor Augen.  Dabei haben wir gezielt einzelne Charaktere in einer Person verkörpert, während andere Aspekte ganz bewußt ausgeklammert wurden.  Durch diese Arbeit, bei der jeder mit sich und den anderen konfrontiert war, wuchs die Gruppe mehr und mehr zusammen.  Wichtig blieb, daß jeder sich im Laufe des Entstehungsprozesses immer stärker engagierte.

Das Stück

"Scherben" ist eine Collage, die in einzelnen Bildern mit teils ständig wechselnder Besetzung die Biographien einiger Menschen zeigt.  Ein Weg der abwechselnd durch die Welten von Jugendlichen und Erwachsenen führt.  Dabei wird dem Zuschauer immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich selber wiederzufinden.  Eine Reise durch das Leben, das sich mit einem Schlag für alle vollkommen ändert.  Jeder alleine empfindet für sich die Trauer als Phänomen der Lebensbewältigung.  Das bisher Erlebte erhält eine völlig neue Dimension.  Die nüchtern geschilderte Brutalität sowie die tiefen Eingriffe in das Gefühlsleben sind Spiegel der bitteren Realität, bei der man glaubt, die Gegenwart bleibt eine Zeitlang stehen.  Und was die Zeit bringen wird, bleibt nur schwer abzuwägen.

Regisseur und Bühnenakteur

Thewes Petra

"Tod" symbolisiert eine Dimension, die unabtrennbar mit dem menschlichen Leben verbunden ist.  Seine Realität ist und bleibt für den Menschen Geheimnis und zugleich schmerzbehaftete Herausforderung.  Dieser Herausforderung zu antworten, sie zu bearbeiten und ins konkrete Leben zu integrieren, das fordert enorm viel Mut und Energie.  Wird diese Energie aber freigesetzt, so verwandelt sie sich in fruchtbringende Lebensenergie. "Scherben" ist für mich ein Theaterstück, das sich als Impuls versteht, der in diesem Sinne dem Leben dient.

Bühnenakteur

Thomé Birgit

Anfangs hatte ich noch so meine Zweifel :  Ein Theaterstück zum Thema Tod!  Ich hatte mir die Arbeit so ernst und schwer vorgestellt.  Gerade deshalb hat es mich gewundert, wieviel Spaß wir doch noch bei den Proben hatten und wie interessant das Thema auch sein kann.
Es gibt unwahrscheinlich viele Arten, dem Tod zu begegnen und mit ihm umzugehen, aber am schlimmsten und unbegreiflichsten ist es doch, wenn ein junger Mensch so plötzlich aus dem Leben gerissen wird.  Dann steht man da, vor einem Scherbenhaufen und muß alles wieder zusammenflicken.

Bühnenakteur bis zur 15. Aufführung

Velz Alfred

Am Anfang war das Wort

Besser gesagt :  die Worte, das Gedicht von Roger : "Das Band des Todes"
und das Konzept zu einem Theaterstück ("Gerüst" haben wir es damals genannt).
"Machst Du mit?" - "Ja!"
Wann war das?
Ich glaube, irgendwann Anfang 1997.

Februar und März 1997 :
Erste Treffen mit Interessenten.
Uns ist von Anfang an klar : wir müssen recherchieren.
Und zwar gründlich.
Dieses Thema erlaubt keine Oberflächlichkeit!

April 1997 :
Erster Kontakt mit Petra Thewes und Maria Arens von "Thanatos".
Direkt auf gleicher Wellenlänge.
Ihr wart uns eine enorme Stütze!

Mai 1997 :
Erstes Treffen mit trauernden Müttern.
Ich fühle mich total "kribbelig", wie Grönemeier : hab Flugzeuge im Bauch.
Petra und Maria sind auch dabei.
Zum Glück :  ich brauche sie (wie zwei Schutzengel).
Der Funke springt über.
Die Schutzengel helfen.
Wir fühlen uns akzeptiert und ernstgenommen.
Reden und immer wieder Reden über die Toten ist so unheimlich wichtig!
Und Zuhören natürlich!

September 1997 :
Zweites Treffen mit trauernden Müttern (warum eigentlich keine Väter?).
Und wieder :  Reden über die Verstorbenen, damit sie nicht vergessen werden.
Und wieder :  Danke für Eure bedingungslose Offenheit, liebe Mütter!
Sie gibt mir Kraft und Energie, dieses Projekt durchzuziehen.

The point of no return!!!

Herbst 1997 :
Weitere Planungen und Gespräche.
Auch mit Leuten, die von Amts und Ihres Berufes wegen glauben, uns gute Ratschläge geben zu müssen.
Stillstand.  Ich habe das Gefühl, wir treten auf der Stelle.

Januar 1998 :
Theaterworkshop.
Wir ziehen uns von freitags abends bis sonntags abends nach Lasne bei Brüssel zurück.
"Wir" sind einige aus der bisherigen Planungsgruppe und einige "Neue".

E N D L I C H !!!

Wir lassen das bisherige Konzept zum Stück zu Hause.

Wir tauchen ab in die Theaterarbeit.

Kurt Pothen :  "Meinem Gegenüber in die Augen blicken zu können, den eigenen Namen in den Raum rufen, brüllen, flüstern können, sind die Grundpfeiler jeder ehrlichen Theaterarbeit."

Kernstück des Workshops: die persönlichen Geschichten von jedem, die Bruchstücke der individuellen Biographien.  Und die gefundenen Symbole.  Wir finden uns.

Frühjahr 1998 :
Erste Proben.
Blicke, Berührungen, Improvisationen, Symbole, Musik, Gespräche.
Viel Material landet "in die Schublade".
Wir sammeln Bilder, Stimmungen, Momente.

Das alles fügt sich allmählich zusammen mit dem "Gerüst" vom Anfang.
Vieles verändert es auch.

Sommer 1998 :
Erste Szenen, erste Bilder fürs Stück stehen, erste Tonaufnahmen kommen hinzu.
Festlegung von Figuren.
Was fehlt noch? Was haben wir noch vergessen?

Roger erarbeitet die Dialoge für die Szenen.  Zu seinem Leidwesen und zu unserem Glück ist sein gesamter Urlaub verregnet!  Er sitzt die ganze Zeit vor seinem PC und läßt Texte sprudeln.

August 1998 :
Das Beten in der Kirche.
Tja, es ist nun mal nicht jeder als Toningenieur geboren worden.
Danke, liebe Beter, für Eure Ausdauer.
Geschadet hat es sicher keinem von Euch, oder?

September 1998 :
Wie soll unser Stück eigentlich heißen?
Verflixte Basisdemokratie :  12 Spieler und 24 Vorschläge.
Gelobte Basisdemokratie :  Nach langen kontroversen (Streit)gesprächen haben wir Ihn :  "Scherben".
Der Kopf ist wieder frei fürs Spielen, fürs kreativ sein.

Herbst 1998 :
Wir proben.  So richtig mit Licht und Ton!
Das Bühnengefühl kommt.  Das Prickeln!
Ich freue mich auf jede Probe, auf die Gruppe, auf die ersten Beobachter.
Spannung :  Was fühlen sie?

Ich kann es kaum noch erwarten!
Ich freue mich auf die Premiere!
Auf Dich, Zuschauer!
Was hast Du gefühlt?
Sag es uns!

Regisseur und Bühnenakteur

Velz Birgit

Ende August 1999 fragte Alfred mich kurzfristig, ob ich nicht eine Rolle in dem Theaterstück "Scherben" übernehmen würde, da eine Spielerin abgesprungen war.  Ich hatte das Stück vorher einmal gesehen, und es hat mich sehr berührt, obwohl ich selber (Gott sei Dank) noch nicht so eine Erfahrung gemacht habe.  Dieses Stück ist einfach eine riesengroße Hilfe für Betroffene, da es ihnen zeigt, wie man mit so einer Situation umgehen muß bzw. sie durchstehen kann.
Ich bin jetzt sehr glücklich, daß ich mitgemacht habe, die Gruppe ist wirklich total nett und es macht Spaß, mit ihnen zu spielen.

Bühnenakteur seit der 10. Aufführung

Velz Harald

Lichttechniker

Velz-Vogts Marie-Madeleine

Tod - tot sein - welch grausiges Thema - vor dem wir uns nicht drücken können - denn irgendwann trifft es jeden von uns.  Mir war klar, daß da einiges auf mich zukommen würde.  Manchmal war es ganz schön knallhart - ich denke da an die Begegnung mit Thanatos, mit den betroffenen Müttern.  Momente, die unter die Haut gingen.  Momente, die zu meinen tiefsten Erinnerungen zählen und in mir bleiben.

Bühnenakteur

Vilz Alexandra

Da die Thematik des Stückes mich persönlich betrifft, war ich von Beginn an begeistert davon, dieses Theaterstück mit auszuarbeiten.  Während der Vorbereitungszeit und den Proben habe ich gelernt, besser mit meiner eigenen Trauerarbeit umzugehen und anderen in ihrer Trauer zu helfen.  Vor allem aber habe ich gelernt, zu versuchen, jeden Tag bewußter zu leben und zu genießen, so als könnte es der letzte sein, ...
Denn der Tod kann jeden immer treffen, und darum sollten wir die wahren Werte des Lebens erkennen lernen und danach leben.  Genießt und achtet das Leben!

Bühnenakteur

Wetzeler Claudia

Das Theaterstück "Scherben" habe ich zweimal sehen dürfen, bevor ich selbst mitgespielt habe.  Ich bin eingesprungen nach der Sommerpause und bin froh, daß ich die Chance bekam.  Leider war ich bei der Entstehung des Stückes nicht dabei, und so fragte ich mich, wie ich in die Thematik reinkommen sollte.  Aber dafür reicht es, mit Offenheit das Leben, die Menschen sowie sich selbst zu betrachten - und ein Theaterstück wie "Scherben", denn da steckt soviel drin; es nimmt auch ein Stück Hilflosigkeit den Hinterbliebenen gegenüber, da es verstehen läßt.
Meine Schwesternrolle hat es mir besonders angetan und mir noch mal bewußt gemacht, wie froh ich bin, daß es mein Schwesterherz im wahren Leben (noch) gibt und auch alle anderen Menschen, die ich liebe.
Andererseits ist es wichtig, den Tod zu akzeptieren und nicht so zu tun, als gäbe es ihn nicht und drüber zu schweigen.  Nein, drüber reden ist wichtig (unser Theaterstück als Impuls ...), begreifen und akzeptieren, und dabei nicht vergessen zu leben!

Bühnenakteur